Deutsche Texte

 

Vergänglichkeit

  

Lang ist der frostige Schatten einer endlosen Nacht,

geheimnisvoll die grauen Schleier, die die Welt verhüllen,

leider geht sie zu Ende, die herbstliche Farbenpracht.

 

Eisige Stille verbindet sich mit tiefer Melancholie,

im feuchten Nebel ist vieles nur zu erahnen,

ein kupfernes Leuchten begründet eine kurze Euphorie.

 

Zögerlich zeigt sich die fahle Sonne am farblosen Tag,

schwer ist die Zeit des Vergehens zu ertragen,

der Abschied naht und das Ende kommt nach einem Wimpernschlag.

 

Max Bauer

München

Herbst 2017

  

Abschied

 

Lau und unruhig war die Sommernacht,

ungeduldig wartet der kühle Morgen,

es dämmert, ein neuer heißer Tag wird geboren,

die frische Fülle der Natur erwacht.

 

Der unschuldige Zauber des Morgens weicht schnell,

die Himmelskönigin beansprucht die Herrschaft und strahlt hell,

verheißungsvoll enthüllt sie in der Frühe das wahre Sein,

sie führt die lastende Hitze in die rastlose Welt der Menschen ein.

 

Warmer Wind und schützender Schatten sind wie ein Versprechen,

auf die endlose Leichtigkeit im Sommer, die wir so sehr ersehnen,

doch wieder fügt sich bitter der Abschied in den Abend hinein,

ein Ende, von stiller Trauer umspielt und in goldenem Schein.

 

Max Bauer

München

Herbst 2017

 

 

Europa in Gefahr

 

Europa, göttliche Geliebte und edle Tochter des Orients,

von dem mächtigen Stier des Zeus wurdest du entführt,

die neue Heimat wurde mit deinem Namen geziert,

du wurdest das Symbol eines ganzen Kontinents.

 

Europa, du bist ein unaufhörlicher Quell von Ideen,

Mutter von unsterblichen Helden, Hüterin unvergessener Epen,

Heimat stolzer Völker und lebensfroher Traditionen,

vereint in der friedvollen Familie leidgeprüfter Nationen.

 

Europa, unablässig brandet die Gefahr an deine Küsten,

es weht eine bittere Brise und bringt Haß aus der Vergangenheit,

bedroht sehen wir uns durch düstere Religionen und Militaristen,

wankendes Ideal, sei stark und hüte unsere erkämpfte Freiheit.

 

Max Bauer

München

August 2017

  

Einsamkeit

 

Ich fühle bleiernen Schwermut,

ein düsterer Schleier umhüllt meine Seele,

ich spüre brennende Trauer,

es schwindet mein Mut,

nichts kann ich ausrichten,

gegen diese stählerne Mauer,

ich vermag sie nicht zu vernichten,

so sehr ich mich damit quäle,

es ist Einsamkeit, schmerzende Einsamkeit.

 

Ich fühle die eisige Stille,

bin umfangen von schneidendem Alleinsein,

ich sehe die lebendige Welt,

doch ich fühle nur nutzloses Dasein,

wo ist er nur mein starker Wille,

wo ist der Sonnenstrahl, der auch mein Leben erhellt,

nur Verzweiflung fesselt meine Seele,

viele dunkle Gedanken mit denen ich mich quäle,

doch die Sehnsucht läßt blitzen im Dunkeln,

der Hoffnung ewiges Funkeln.

 

Max Bauer

München

Winter 2016

 

 Brennendes Sehnen

 

Verloren fühle ich mich im nächtlichen Meer,

von züngelnden Flammen umschlungen.

Die aufgewühlte Seele brennt,

von heißer Glut, eisiger als Stahl verletzt,

treibt das Unerreichbare vor mir her.

Es lodert in mir ein zehrendes Feuer.

Die schaudernde Leere zu füllen ist gelungen,

mit dem Elend das unaufhörlich schmerzt

und ein jeder nur langsam erkennt,

mit glutvollem Sehnen und zögerlichem Bangen,

einem unbändigen fiebrigen Verlangen,

unbezwingbar wie ein Ungeheuer.

 

Unendlich scheint das Dunkel der Nacht,

das aufwühlende Alleinsein hämmert und pocht.

Die traurige Seele durchziehen verzweifelte Gedanken.

Der Verstand schwindet, entrückt, verliert er die Macht.

Das Blut wogt, strömt und kocht.

Verzweiflung und Verlangen bringen mich ins Wanken.

Unerträglich ist die nächtliche Stille.

Der schwere Atem hechelt und dröhnt,

an die leidende Sehnsucht gewöhnt,

gefangen im glühenden Vorhof zur Hölle.

 

Frühjahr 2018

Max Bauer

München